Das Fest des Gottes mit Migrationshintergrund

„Mein Gott wurde ein obdachloser Migrant.
Immanuel kommt an und zwar am Rand
Der Gesellschaft, ohne Weltmacht die zwar Geld hat
Doch sich nur um sich selber dreht, wie ein Lenkrad.
Warum sind genau diese Menschen an Weihnachten einsam, deren Stelle Jesus an Weihnachten einnahm?“ (Marco Michalzik)

 

Es war eine herzliche Feier, die venue mit engagierten Helfern am 24. Dezember im Leue auf die Beine stellte. Der Leue sollte am Weihnachtsabend ein Ort für Menschen sein, die das christliche Fest nicht kennen, für ein Fest kein Geld haben, oder gerne mit anderen zusammen den Abend verbringen. Rund 30 Leute, vom Kleinkind bis zum Grossvater, von China über Syrien bis Indien, genossen die gemütlichen Stunden in der Altstadt-Beiz. Nach einem Apéro wartete ein reichhaltiges Buffet auf die Gäste. Dazwischen wurde gespielt (UNO geht immer, auch wenn man die Sprache des Anderen nicht versteht) und gesungen. Zwei Gäste nahmen ihre Instrumente mit und so entstand ad hoc ein Quartett, das ohne Probe und von Beginn weg gut harmonierte: Chris an der Gitarre, Barbara am Klavier, unser Gast Stefan mit irgendeinem grossen Blechblasinstrument und seine Frau Margaretha an der Querflöte. Nach dem Lied „Stille Nacht“ las David einen kurzen Text und fragte, was die Stille Nacht eigentlich so heilig macht. Heilig wurde für uns die Nacht in den Begegnungen zwischen den Milieus. Als eine Schweizerin spontan ihre Hilfe einem syrischen Mädchen angeboten hat: „Wir treffen uns am Samstag und lernen Radfahren!“.

In Innenhof erwartete die Gäste einen Raum der Besinnung mit einer Installation zu Weihnachten von Chris. Mit aufrüttelnden, aktuellen Bildern und Fragen an die Zuschauenden wurde klar, dass Weihnachten etwas mit unserem Hier und Jetzt zu tun hat.

Vor dem Nachhausegehen gab es für jeden und jede ein kleines Geschenk mit Naturprodukten aus der Region. Und schliesslich durften die Gäste in die Küche kommen und sich bei den vielen übrig gebliebenen Salaten, Desserts und dem Fleisch bedienen. In welcher Beiz darf sich der Gast nach dem Essen in der Küche ein zweites Menü zusammenstellen und so die Reste mit nach Hause nehmen? Weggeworfen haben wir an diesem Abend nichts. Und der grösste Lohn für die ganze Arbeit besteht doch darin, wenn Gäste beim Abschied sagen: „Danke, ich habe mich sehr, sehr wohl gefühlt.“